Fake-News und die Energiewende

4. Mai 2017: "Das fossile Imperium schlägt zurück", so lautet der Titel des aktuellen Buches der Wirtschaftsforscherin Claudia Kemfert. Darin beschreibt Kemfert, mit welchen Mitteln die fossile Energiewirtschaft sich gegen die fortschreitende Energiewende wehrt. Es geht um Fake-News, um große PR-Kampagnen von Energiewende-Gegnern, um eine Verzögerungstaktik und sehr, sehr viel Geld. Im Interview mit der Deutschen Welle (DW) sagt Kemfert: "Da ist ein regelrechter Krieg zwischen der alten und der neuen Energiewelt entstanden."

Große PR-Kampagnen der fossilen Industrie

Die Energiewende werde gerade Opfer ihres eigenen Erfolges. Hintergrund: Die Kosten für Erneuerbare Energien sinken, weltweit fließen Investitionen in die alternative Energieversorgung. Dies gefalle den Industrien nicht, die mit konventionellen Energien und Atomenergie ihr Geld verdienen. "Das fossile Imperium schlägt zurück und dies sehr aggressiv", so Kemfert. Und das gelte nicht nur für die USA, sondern auch für Europa und Deutschland. Mythen, sogenannte alternative Fakten und immer mehr Fake-News würden verbreitet. "Und zwar mit großen PR-Budgets und hinter den Kulissen", sagt Claudia Kemfert im DW-Interview. Es würden einprägsame Slogans, emotionale Bilder und Schlagworte, die sich leicht weitersagen lassen, produziert. Zum Beispiel, dass eine erneuerbare Stromversorgung nicht zuverlässig sei, Blackouts verursache und einen Kosten-Tsunami. "Die Propaganda wird systematisch auf allen Kanälen gestreut. Es wird solange das Lied vom teuren Ökostrom gesungen, bis man den Ohrwurm nicht mehr aus dem Kopf kriegt." Man spricht ständig über Subventionen von Erneuerbaren, aber nicht über die weitaus höheren Subventionen für fossile Energien. Gigantische Kosten der Atomenergie werden verheimlicht. 

Verzögerungstaktik wird teuer und gefährlich

Leider gingen auch deutsche Politiker den Lobbyisten des fossilen Imperiums auf den Leim. Anders sei beispielsweise die Verzögerung des Kohleausstiegs nicht zu erklären. Es gehe vor allem um eine Verzögerungstaktik. Claudia Kemfert: "Alle wissen, dass sich die Erneuerbaren Energien auf lange Sicht durchsetzen werden. Aber ein länger laufendes Kraftwerk spült jeden Tag noch ordentlich Geld in die Kassen. Also wird die Energiewende ausgebremst." Der deutschen Volkswirtschaft koste dies viel Geld. Der fossilen Industrie sei dies egal. Ihnen ginge es nur um eigene wirtschaftliche Interessen. "Jeder Tag, an dem die Energiewende gebremst wird, ist bares Geld", sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin und weist auch darauf hin, dass diese Verzögerungstaktik nicht nur teuer, sondern auch gefährlich sei. Die globale Sicherheit sei angesichts zunehmender Konflikte um Ressourcen und des Klimawandels in Gefahr. 

"Die Gegner werden immer aggressiver"

Claudia Kemfert ist Wissenschaftlerin für Energie und Klimaökonomie. Sie und viele ihrer Kollegen erleben, dass wissenschaftliche Aussagen auch von Energiewende-Skeptikern diskreditiert werden. "Die Gegner werden immer aggressiver. Egal, wo ich mich äußere, bekomme ich sofort oberlehrerhafte E-Mails von selbsternannten Experten oder üble Beschimpfungen aus anonymen Quellen. Kürzlich wurde meine persönliche Website gehackt. An einen Zufall mag ich nicht glauben", sagt Kemfert. Die Wissenschaft sei umso mehr gefordert, jetzt mit entsprechenden Fakten dagegen zu halten, wie auch die gesamte Gesellschaft aufgefordert sei, die Energiewende zu verteidigen.