IWF: Klimawandel bedroht Wirtschaft

27. September 2017: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat erstmals die Effekte des Klimawandels mit konkreten Zahlen unterfüttert. Welchen Einfluss der Klimawandel auf die Weltwirtschaft hat, wurde in einer Studie umfassend untersucht. Ergebnisse: Ganzen Landstrichen werde die wirtschaftliche Grundlage entzogen, der Globus müsse neu kartografiert werden. Die IWF-Ökonomen warnen, dass die Verschiebung des Wirtschaftswachstums und der Anstieg der Meeresspiegel zu einem Mega-Flüchtlingsstrom führen könne. 

Wird es als Folge des Klimawandels auf der Erde immer wärmer, sind davon insbesondere die Volkswirtschaften betroffen, in denen die Temperaturen heute schon höher sind. Tendenziell handelt es sich dabei zumeist ohnehin um ärmere Länder, die kaum Möglichkeiten haben, die negativen Folgen abzuwenden. Die IWF-Ökonomen haben errechnet, dass ein Grad Erderwärmung einem Entwicklungsland mit einer Durchschnittstemperatur von 22 Grad etwa 0,9 Prozentpunkte Wachstum kostet. In noch wärmeren Regionen mit einer Durchschnittstemperatur von 25 Grad wären es 1,2 Prozent. Die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels werden nach Ansicht der Experten eine Massenmigration verursachen. Immerhin lebt in den am härtesten vom Klimawandel getroffenen Volkswirtschaften 60 Prozent der Weltbevölkerung. Hinzu kämen Flüchtlingsströme aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels. Hunderte Millionen Menschen wären gewungen, ihre Heimat zu verlassen. 

Betroffen sind nicht nur Schwellen- und Entwicklungsländer. Auch entwickelte Volkswirtschaften müssten mit Einbußen rechnen, wenn die Durchschnittstemperatur über den optimalen Wert von 13 bis 15 Grad Celsius steigt. Allerdings hielten sich die dämpfenden Wachstumseffekte in Grenzen, weil diese Länder zumeist ein kühleres Klima aufweisen und die finanziellen Mittel hätten, um mit den Folgen des Klimawandels, wie Dürren, Überschwemmungen und anderen Wetterextremen, umzugehen. Auch innerhalb einzelner Staaten müssen wirtschaftsstarke Länder mit Flüchtlingsströmen rechnen. Laut IWF müssten zum Beispiel allein in den USA mehr als vier Millionen Menschen aus den Küstenregionen ins Landesinnere ziehen, wenn der Meeresspiegel bis 2100 um 80 Zentimeter steigt.  

Hintergrund: Produktivität bei 13 Grad Celsius am höchsten
Wirtschaftsforscher haben herausgefunden, dass bei einer Durchschnittstemperatur von 13 Grad Celsius die Produktivität am höchsten ist. Dies liefert nach Ansicht der Ökonomen auch die Begründung dafür, warum manche Länder wirtschaftlich so viel besser abschneiden als Deutschland.