So wird 2030 in Deutschland geheizt

15. Februar 2017: "Wärmewende 2030" lautet der Titel einer aktuellen Studie, die die Denkfabrik Agora Energiewende in Auftrag gegeben hat. Sie befasst sich mit der Frage, wie wir künftig heizen. Danach werden Wärmepumpen in Zukunft zun einer tragenden Säule des Wärmemarktes. Dafür ist es laut Agora allerdings notwendig, dass der Anteil von Strom aus Erneuerbaren Energien schneller wächst als bislang geplant.  

Hintergrund der Studie ist die Frage, womit Häuser in Deutschland im Jahr 2050 beheizt werden, wenn fossile Energieträger wie Öl und Erdgas nicht mehr verwendet werden dürfen, weil sich ansonsten das Ziel der Dekarbonisierung nicht erreichen lässt? "Deutschland wird seine Klimaschutzziele nur erreichen, wenn es langfristig auf Kohle, Öl und Erdgas verzichtet", sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Untersucht haben die Experten, was schon bis zum Jahr 2030 getan werden muss, um bis 2050 eine nahezu CO2-neutrale Wärmeversorgung zu erreichen? Dafür ist u.a. notwendig, dass der Wärmeverbrauch in Deutschland um ein Viertel gesenkt wird, heißt es in der Studie. Des Weiteren werde für Erdöl 2030 kaum mehr Platz sein. Der Anteil von Erdgas dagegen bleibe bis dahin vermutlich noch ähnlich hoch wie heute. Wie aber werden die Wohnungen 2030 warm? Die Verfasser der Studie gehen davon aus, dass Wärmepumpen 20-mal mehr Energie liefern als gegenwärtig, und dass bei der Versorgung über Wärmenetze, die sich über einen Mix von Wärmequellen speisen, eine Verdopplung ansteht.

Eine steigende Nachfrage nach Wärmepumpen stellt auch zusätzliche Anforderungen an das Stromsystem. Auch dies wurde im Rahmen der Studie untersucht. Ergebnis: Um ausreichend grünen Wärmepumpenstrom zur Verfügung zu stellen, müsse der Anteil von Strom aus Erneuerbaren Energien schneller wachsen als bislang geplant. 2030 müsse mindestens 60 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren stammen. Bislang ist dieses Ziel für 2035 gesetzt. 

Erdöl und Erdgas nur noch in Ausnahmefällen

Agora Energiewende weist daruf hin, dass Deutschland bei der "Wärmewende" hinterherhinkt. Bei der Gebäudedämmung müssten anstatt ein Prozent künftig jährlich zwei Prozent des Gebäudebestandes energetisch saniert werden. Der Zubau der Wärmepumpen sei ebenfalls zu gering. Beim derzeitigen Tempo wären 2030 nur zwei Millionen installiert, gebraucht würden aber fünf bis sechs Millionen Stück, bis 2050 dann zehn bis 17 Millionen. Ergänzt würden diese künftig durch Solar- und Biomasseheizungen und zu einem kleinen Teil durch Gas, das mit Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt wird. Keinen Zweifel lässt Agora daran, dass fossile Energieträger im Jahr 2050 nur noch in Ausnahmefällen genutzt werden.