Klimaforscher: Sommerhitze ist außergewöhnlich

30. Juli 2018: Deutschland ächzt unter einer Hitzewelle. Ist das noch Wetter, oder schon Klimawandel? Für den Wissenschaftler und Klimaforscher Mojib Latif ist die Antwort klar. Die aktuelle Hitzewelle sei außergewöhnlich, weil sie schon so lange anhalte. Es bestätige sich, was Klimaforscher lange vorausgesagt hätten: Die durchschnittliche Temperatur habe sich erhöht, Wetterextreme wie Hitze nehmen zu. "Wir erleben immer mehr Hitzetage mit 30 Grad oder mehr. Zugleich nimmt die Zahl der Tropennächte zu", sagte Latif der Passauer Neuen Presse. Die Zahl der Frosttage in Deutschland dagegen sinke immer weiter ab, wenn es regne, dann "wie aus Kübeln". Einzelne Wetterextreme wie der Sommer 2018 seien zwar noch kein Beleg für einen vom Menschen gemachten Klimawandel. Aber eine so lang andauernde Hitzeperiode bis in den hohen Norden sei nicht mehr mit "normaler Klimavariabilität" zu erklären. Die natürlichen Klimaschwankungen herausgerechnet, zeige sich der Einfluss des Menschen.

Der Klimaforscher am Kieler Helmholtz-Zentrum warnt: "Die internationale Politik tut zu wenig, steuert nicht konsequent um. Der weltweite CO2-Ausstoß steigt immer weiter an, die Erderwärmung nimmt immer weiter zu." Je länger gezögert werde, desto gefährlicher werde es, so Latif. Auch der Bundesregierung wirft Latif Untätigkeit vor. Als Beispiel führt der Wissenschaftler den Verkehrssektor an. Die Automobilindustrie habe nie die Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz eingehalten, Deutschland in Brüssel stets interveniert, wenn es um die Automobilindustrie ging. Die Folge: Autos wurden immer größer, immer schneller, immer klimaschädlicher.