Prognose: Kosten für Ökostrom-Ausbau steigen 2019 nicht

6. August 2018: Gute Nachrichten für Stromkunden: Die EEG-Umlage könnte 2019 zum dritten Mal in Folge konstant bleiben. Das zumindest prognostiziert die Berliner Denkfabrik "Agora Energiewende". Dazu passt auch die Nachricht, dass die Übertragungsnetzbetreiber im ersten Halbjahr 2018 weniger Noteingriffe zur Stabilisierung der deutschen Stromnetze vornehmen mussten - trotz Ausbaus der erneuerbaren Energien. Verbraucher können profitieren. 

Erst am 15. Oktober müssen die Übertragungsnetzbetreiber der Höhe der EEG-Umlage für das Folgejahr bekanntgeben. Bis dahin dürfte es noch einige Spekulationen um die Höhe der Umlage 2019 geben. "Agora Energiewende" hat gut zwei Monate vorher seine Prognose veröffentlicht. Danach sei mit einer EEG-Umlage von 6,7 bis 6,9 Cent je Kilowattstunde zu rechnen (2018: 6,79 Cent je Kilowattstunde). Damit würde die Ökostromumlage zum dritten Mal in Folge konstant bleiben, trotz des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien. Als Gründe führt Agora zum einen gestiegene Großhandelsstrompreise an. So würden mit EEG-Anlagen mehr Erlöse erzielt, und die Differenz zwischen den Einnahmen aus dem Stromverkauf und den Ausgaben (Einspeisevergütung) sinke. Diese Differenz wird mit der EEG-Umlage finanziert. Zugleich sei der Überschuss auf dem EEG-Konto weiter angewachsen und könne 2019 an die Stromverbraucher zurückgegeben werden. Beide Effekte seien so stark, dass die ursprünglich angenommene Erhöhung der EEG-Umlage kompensiert werden könne.

Bis 2035 könnte die EEG-Umlage auf 2,69 Cent je Kilowattstunde sinken

Frank Peter, stellvertretender Direktor von "Agora Energiewende", sagte zur Veröffentlichung der Prognose: "Die hohen Investitionen Deutschlands in erneuerbare Energien der vergangenen 15 Jahre tragen jetzt Früchte." Jahr für Jahr gebe es mehr Ökostrom, während die Förderkosten bereits heute konstant blieben und weiter sinken würden. Agora rechnet gegenwärtig noch mit einem Anstieg der EEG-Umlage in 2020 und 2021 auf maximal 7,75 Cent je Kilowattstunde, dann aber mit einem sukzessiven Absinken der EEG-Umlage auf 4,92 Cent bis 2030 und 2,69 Cent bis 2035. Ein noch schnelleres Absinken wäre möglich, so Peter, wenn die Rahmenbedingungen geändert würden, zum Beispiel die Herausnahme der Industrieprivilegien. Eine Reform der Abgaben und Umlagen könne den Beginn der Entlastung für Stromkunden deutlich vorziehen. 

Tennet: Fortschritte beim Netzausbau
tragen Früchte

Entlastung für die Stromkunden bringt auch, dass es weniger Überlastungen im Stromnetz und somit weniger Netzeingriffe gibt. Die vier Übertragungsnetzbetreiber meldeten dieser Tage für das erste Halbjahr 2018 sinkende Zahlen. "Unsere Fortschritte beim Netzausbau tragen Früchte", sagt Tennet-Vorstandsmitglied Lex Hartmann. Und das trotz des weiteren Ökostromausbaus. Noteingriffe bei Engpässen in der Stromübertragung müssen Verbraucher über den Strompreis bezahlen. 2017 waren dafür Rekordkosten von 1,4 Milliarden Euro angefallen. Setzt sich der Rückgang auch im zweiten Halbjahr fort, profitieren die Stromkunden. Eine Trendwende sei aber noch nicht erreicht, heißt es von Tennet weiter. Bis alle beschlossenen neuen Leitungen gebaut seien, werde man das Netz weiter mit Notmaßnahmen stabilisieren müssen.