brandenburg

energie für baruth: windstrom und wärme

naturwind plant zusammen mit der Classen-Gruppe in Baruth, im Forst nördlich von Mückendorf Windenergieanlagen zu errichten und Energie für Baruth bereitzustellen. Anwohner sowie ansässige Unternehmen sollen mit grünem Strom versorgt werden. Zudem soll im Ortsteil Mückendorf sowie in der Stadt Baruth ein grünes Nahwärmenetz errichtet werden. Kommunen im Umkreis des geplanten Windparks Baruth werden über eine Kommunalabgabe und den so genannten Windkrafteuro an den Erlösen des Windparks beteiligt. In Zusammenarbeit mit der ZGGB (Zukunft Grüne Gase Brandenburg) wird zudem die Möglichkeit zum Bau einer Wasserstoffproduktion geprüft.

Die Projektpartner haben im Spätsommer 2023 öffentlich über das Projekt „Energie für Baruth“ informiert. Dazu fanden Infomessen in Baruth und Mückendorf sowie Bürgersprechstunden statt. Am 9. November 2023 haben die Stadtvertreter dem Konzept von naturwind zugestimmt und die Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Windpark Mückendorf beschlossen. 

NW_Icon_Baustatus

Projektstatus

In Planung
B-Plan-Verfahren

Projektpartner

Classen Gruppe, ZGGB

Regionale Stromversorgung für die Gemeinde Baruth

Der Windpark Baruth-Mückendorf soll schwerpunktmäßig zur Energieversorgung des Laminat- und Faserplattenwerkes der Classen-Gruppe dienen. Allein dafür sind jährlich rund 230 Mio. Kilowattstunden Strom nötig. Das entspricht der Energieproduktion von 19 Windenergieanlagen. Zudem soll der Windpark den Strombedarf der Gemeinde und ihrer Einwohner sowie der weiterern Unternehmen in Baruth decken. Weiterhin wird Strom für die Bereitstellung der Nahwärme sowie für den Betrieb einer Wasserstoffproduktion benötigt. Bis zu 32 Windenergieanlagen sind theoretisch im Potenzialgebiet nördlich von Mückendorf möglich. Für die regionale Stromversorgung werden wir einen lokalen Windstrom-Tarif anbieten. Exklusiv für Einwohner der Stadt Baruth soll es einen jährlichen Strom-Bonus geben. Die Höhe des Bonus hängt von der Anzahl der errichteten Windenergieanlagen ab. Gegenwärtig gehen wir von 350 Euro Bonus pro Haushalt pro Jahr aus. 

Nahwärme für die Ortsteile Baruth und Mückendorf

Idee ist, Abwärme aus der Laminat- und Faserplattenproduktion der Classen-Gruppe zu nutzen und damit die nächstgelegenen Orte - die Stadt Baruth sowie den Ortsteil Mückendorf - zu versorgen. Die Wärme  aus dem Faserplattenwerk, die dort mit etwa 50 Grad Celsius anfällt, muss zunächst mit einer Großwärmepumpe, die mit Strom aus dem Windpark betrieben wird, auf das erforderliche Temperaturniveau von 80 bis 90 Grad Celsius angehoben werden. Anschließend kann sie über ein lokales Nahwärmenetz vom Werk im Industriegebiet nach Mückendorf und Baruth transportiert und dort an Verbraucher und Unternehmen abgegeben werden. Dadurch können vor Ort fossile Heizsysteme ersetzt werden. Vorteil für Verbraucher: Sie erhalten eine sichere und preisstabile Wärmeversorgung, müssen nicht in ein eigenes Heizsystem investieren und erfüllen künftige gesetzliche Anforderungen an klimafreundliche Heizungen (Stichwort Gebäudeenergiegesetz).  

Wasserstoffproduktion im Industriegebiet „Bernhardsmüh“

Die ZGGB und Classen prüfen derzeit den Bau einer Anlage zur Produktion von grünem Wasserstoff im Industriegebiet „Bernhardsmüh“. Der Wasserstoff soll zur Herstellung von Vorprodukten der Faserplattenproduktion verwendet werden. Der in der Wasserstoffproduktion anfallende Sauerstoff kann in Kläranlagen zur Reinigung von Abwässern genutzt werden. Die ZGGB (Zukunft Grüne Gase Brandenburg) agiert in der naturwind-Gruppe als Projektentwickler für Energiewandlungsanlagen auf Power-to-X-Basis. Das Konzept der Energiewandlungsanlagen ermöglicht es, aus erneuerbarem Strom Wasserstoff und andere grüne Gase zu erzeugen und so flexibel auch in anderen Energiesektoren zu nutzen, und dies möglichst regional - also auch Energie für Baruth.

Teilhabe für Kommunen im Umkreis des Windparks

Kommunen können finanziell von der Windenergieerzeugung vor Ort profitieren. Dies wurde in den vergangenen Jahren gesetzlich geregelt.

  • So können betroffene Gemeinden im Umkreis von 2,5 Kilometern um einen Windpark nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) über eine Kommunalabgabe beteiligt werden. Diese ist ertragsabhängig und kann sich auf bis zu 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde belaufen. Dies entspricht laut aktueller Prognose jährlich rund 650.000 Euro für die Stadt Baruth. 

  • Das Windenergieanlagenabgabengesetz Brandenburg schreibt zudem vor, dass pro Windrad jährlich 10.000 Euro an Kommunen im 3-km-Radius zu zahlen sind. Das würde der Stadt Baruth weitere rund 225.000 Euro pro Jahr in den kommunalen Haushalt spülen. Die Mittel aus dem so genannten Windkrafteuro sind zweckgebunden zur Akzeptanzsteigerung, zum Beispiel zur Aufbesserung des Ortsbildes oder zur Förderung von Kultur und Soziales, zu verwenden. Medienberichten zufolge plant das Landeswirtschaftsministerium, diese pauschale Abgabe abzuschaffen und an die Leistung der Windenergieanlagen zu koppeln. Sie soll demnach 5.000 Euro je Megawatt und Jahr betragen. Dadurch könnte sich der Windkrafteuro annähernd verdreifachen. 

Die Zuwendungen aus beiden Programmen werden nicht dem Finanzausgleich der Gemeinden zugerechnet, können also vor Ort verwendet werden.

Das sind die nächsten Schritte

Am 9. November 2023 haben die Stadtvertreter von Baruth/Mark für das Konzept von naturwind gestimmt und die Aufstellung einen Bebauungsplanes (B-Plan) für den Windpark Mückendorf beschlossen. In diesem Zuge wird auch der bestehende Flächennutzungsplan geändert. Der Beschluss kam mit großer Mehrheit zustande. Elf Stadtvertreter stimmten dafür, 2 dagegen, einer enthielt sich. 

Parallel zum B-Plan-Verfahren werden dann bereits sämtliche naturschutzfachlichen Untersuchungen zum geplanten Windpark stattfinden. Schwerpunkt sind die Kartierungen von Brutvögeln im Umkreis des Windparks. Zudem werden Schall- und Schattenemissionen untersucht. Im Ergebnis der Untersuchungen wird dann das so genannte Parklayout festgelegt, also wo stehen Anlagen. Dies erfolgt in Abstimmung mit den Projektpartnern und der Stadt Baruth im Zuge des B-Plan-Verfahrens. 

Zudem wird ein städtebaulicher Vertrag verhandelt, der regelt, dass alle Teile der Projektidee zeitnah umgesetzt werden. Wichtig für die Stadt ist neben der regionalen Stromversorgung insbesondere die Realisierung eines Nahwärmenetzes für die Ortsteile Mückendorf und Baruth.  

Standort

Das potenzielle Windparkgebiet liegt vollständig in der Gemeinde Baruth, nördlich des Baruther Ortsteiles Mückendorf. Die Fläche ist überwiegend bewaldet. Es handelt sich um einen hauptsächlich mit Kiefern bewachsenen Wirtschaftswald (Forst). Aus dem Windpark soll Energie für Baruth bereitgestellt werden.

Porträt Stephan Wiggeshoff

Fragen & Antworten

Windenergieanlagen beeinträchtigen das Landschaftsbild. Sie werden zwar nur auf rund zwei Prozent der Fläche in Deutschland gebaut, haben also einen geringen Flächenbedarf, sind aber weithin sichtbar. Ob eine Landschaft mit Windrädern als schön empfunden wird oder nicht, ist eine Frage des Geschmacks und auch des Gewöhnens. Der Mensch verändert seit Generationen die Landschaft. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine neue Landschaftsästhetik. Für junge Menschen ist der Anblick bereits völlig normal.

Lärm und Infraschall können krank machen. Darum hat der Gesetzgeber Grenzwerte festgelegt. Diese müssen auch von Windenergieanlagen nachweislich eingehalten werden. Dies wird durch entsprechende Schutzabstände und durch technisch immer bessere Lösungen erzielt. Eine Windenergieanlage ist in 500 Meter Abstand bereits leiser als eine Unterhaltung. Auch die Infraschallpegel liegen in wenigen hundert Metern Entfernung zum Windrad bereits deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle.

Ein solcher Zusammenhang konnte in diversen Untersuchungen nie nachgewiesen werden. Allenfalls sind vorübergehende Marktirritationen beobachtet worden, insbesondere durch entsprechende Prophezeiungen. Manche nutzen dieses Argument auch, um Kaufpreise gezielt zu drücken. Langfristig sind andere Faktoren entscheidend, nämlich Infrastruktur, Angebot und Nachfrage etc.

Es gibt viele Gefahren für Tiere. Windräder spielen dabei nur eine geringe Rolle. Hauptursache für das Artensterben ist, dass viele Tiere durch Industrialisierung und Urbanisierung und auch durch den Klimawandel ihre Lebensräume verlieren. Letztlich ist es unser Wohlstand, der dafür verantwortlich ist. Die Windenergiebranche tut viel, um Windräder naturverträglich zu errichten und Lebensräume zu erhalten. Windräder sind nicht die Ursache für ein vermehrtes Artensterben. Ein Beispiel: Schätzungen gehen von 150.000 toten Vögeln an deutschen Windrädern pro Jahr aus, so genannte Schlagopfer. Zum Vergleich: Durch Straßen- und Bahnverkehr sterben in Deutschland jährlich ca. 70 Mio. Vögel, durch Hauskatzen 20 bis 100 Mio., und an Glasscheiben verenden jedes Jahr mindestens 100 Mio. Vögel.

Der Wald ist von jeher ein wichtiger Energielieferant. Denn Holz ist gespeicherte Sonnenenergie. Mit Windrädern gibt es jetzt die Möglichkeit, zusätzliche regenerative Energieressourcen zu gewinnen. Dafür wird nur wenig Fläche benötigt. Im Umfeld einer Windkraftanlage bleibt der Wald als Lebensraum und auch als Energie- und Rohstofflieferant erhalten. Was abgeholzt wird, wird an anderer Stelle wieder aufgeforstet.

Brände von Windenergieanlagen sind selten. Es wird viel getan, um solche Vorfälle zu verhindern. Es gibt Temperatur- und Drucküberwachungen, Brand- und Rauchmeldesysteme, Lösch- und Blitzschutzeinrichtungen. Für jedes Windrad wird ein Brandschutzkonzept erstellt. Dabei wird dem Standort im Wald besonders Rechnung getragen. So muss es beispielsweise doppelte Zuwegungen geben, es werden Wasserzisternen angelegt etc. Das Anlegen zusätzlicher Wege und von Wasserentnahmestellen verbessert auch den Brandschutz für das Waldgebiet insgesamt. 

Nach Ablauf der Einsatzzeit eines Windrades ist der Betreiber gesetzlich verpflichtet, die Anlage abzubauen, zu entsorgen und den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Zurückzubauen sind alle ober- und unterirdischen Anlagenteile, Leitungen, Wege und Plätze. Diese Rückbauverpflichtung wird üblicherweise mit einer Bankbürgschaft zugunsten der Genehmigungsbehörde sichergestellt. Dies gilt auch bei Übertragung von Windenergieanlagen auf Dritte. Erfolgt dies nicht, kann eine Genehmigung widerrufen werden. Die Höhe der Sicherheitsleistung richtet sich nach den voraussichtlichen Kosten für den Rückbau.

Weitere informationen

Bürgerbeteiligung: Mit Anwohnern im Gespräch

Für den 5. und 6. September 2023 hatten die Projektinitiatoren Anwohner zu Infomessen in Mückendorf und Baruth eingeladen. Rund 150 Einwohner der Stadt Baruth und ihrer Ortsteile nutzten das Angebot, sich über das geplante Energieprojekt zu informieren und mit den Fachleuten ins Gespräch zu kommen. Im Zuge der Bürgerbeteiligung konnten die Einwohner auch ihre Meinungen und Hinweise zum geplanten Bau des Windparks sowie zum Bau eines Nahwärmenetzes für die Orte Baruth und Mückendorf äußern. So erhielten naturwind und Classen wichtige Anregungen, die im weiteren Projektverlauf und in Abstimmung mit der Stadt Baruth überprüft werden sollen.

Zudem hatten die Anwohner die Möglichkeit, sich als Interessenten für eine grüne Nahwärmeversorgung und für einen Windstromtarif listen zu lassen. Der entsprechende Fragebogen kann weiterhin ausgefüllt und per E-Mail an naturwind gesandt werden. 

Windenergie im Forst: So funktioniert’s

Für den Bau des Windparks wird nur ein kleiner Teil des Waldes gerodet - pro Windrad rund 0,6 Hektar. Das ist weniger als ein Fußballfeld. Mehr als die Hälfte der Fläche wird nur temporär benötigt und kann nach dem Bau unmittelbar wieder aufgeforstet werden. Zudem werden als Ausgleich für die Fällmaßnahmen neue Bäume in der Region gepflanzt. Auf Wunsch der Stadt Baruth und in Absprache mit der Genehmigungsbehörde könnten die Wiederaufforstungsmaßnahmen auch im Stadtgebiet erfolgen.

Die Nutzung von Windenergie in Wäldern wird lediglich in waldreichen Regionen und in intensiv forstwirtschaftlich genutzten Waldflächen, insbesondere in Fichten- und Kiefernforsten, empfohlen. Begründet wird dies damit, dass solche „Wirtschaftswälder“ bzw. „naturferne Forsten“ eine geringere biologische Vielfalt als naturnahe Laub- und Mischwälder besitzen. Beim Forst nördlich von Mückendorf handelt es sich um einen solchen Wirtschaftswald mit hohem Nadelbaumbestand. Die Regionale Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming kommt in einer Betrachtung zur Windenergienutzung im Wald zu dem Ergebnis, dass „die Windenergienutzung auf Waldstandorten in der Summe nicht zu einer Reduzierung der Waldfläche führt.“ Und weiter: Ein großer Teil des Waldes in der Region bestehe aus monokulturellem Kiefernforst, der eine geringe Bedeutung für den Natur- und Artenschutz besitze. Zudem erscheine der Einfluss auf den CO2-Gehalt in der Atmosphäre bei der Windenergienutzung wesentlich größer zu sein als bei der Waldbewirtschaftung. 

 

Der Bau und Betrieb von Windenergieanlagen im Wald gilt als sicher. Das Risiko, dass Windräder aufgrund eines technischen Defekts einen Waldbrand auslösen, ist gering. Windräder machen den Wald eher sicherer, sagen Brandschutzexperten und begründen dies mit den Brandschutzkonzepten, die im Zuge eines Windparkbaus zu erstellen und umzusetzen sind. Dazu gehören beispielsweise das Anlegen breiter Schneisen und befestigter Wege sowie eine eigene Löschwasserversorgung. Diese Einrichtungen können im Brandfall von örtlichen Feuerwehren genutzt werden und erleichtern ihnen die Arbeit.

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Dann füllen Sie unseren Fragebogen aus und lassen sich unverbindlich als Interessent registrieren! Wir werden Sie dann über den weiteren Projektverlauf informieren.

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Windpark Karstädt-Kribbe

Windpark Müncheberg-Mittelheide

Veränderte Luftströmungen im Umfeld von Windparks führen zu einer stärkeren Durchmischung der unteren Luftschichten. Dies kann nachts einen räumlich begrenzten Erwärmungseffekt in Bodennähe haben. Diesen Effekt nutzen Obstbauern beispielsweise, um Schäden durch späte Nachtfröste im Frühjahr zu minimieren. Das Klima der bodennahen Luftschichten wird als Mikroklima bezeichnet.

Zum Nachlesen:

Lokale mikroklimatische Effekte durch Windkrafträder, Wissenschaftliche Dienste Deutscher Bundestag, 2020

In einer Studie des Umweltbundesamtes wurde die Energy Payback Time, also die energetische Amortisationszeit, von Windenergieanlagen untersucht. Sie lag zwischen 2,5 und 11 Monaten.

Zum Nachlesen:

Abschlussbericht Umweltbundesamt (UBA), Mai 2021: „Aktualisierung und Bewertung der Ökobilanzen von Windenergie- und Photovoltaikanlagen unter Berücksichtigung aktueller Technologieentwicklungen"