Schleswig-Holstein

Bürgerwindpark Hasenmoor-Struvenhütten

Naturwind plant den Bau von bis zu sechs Windenergieanlagen im Windvorranggebiet zwischen Hasenmoor,  Struvenhütten, Schmalfeld und Hartenholm. Entstehen soll ein Bürgerwindpark, von dem alle Einwohner der umliegenden Orte profitieren können. Auch die Gemeinden können sich beteiligen. Mindestens ein Drittel der genehmigten Windenergieanlagen wird ansässigen Bürgern zum Betrieb eines Bürgerwindparks angeboten. Die restlichen Windräder sollen durch eine vom Anlagenhersteller ENERCON initiierte Betreibergesellschaft betrieben werden. 

NW_Icon_Baustatus

Projektstatus

Genehmigungsplanung

Anlagentyp

4 Enercon E 147, 2 Enercon E 138

Leistung

28,4 MW

Projektpartner

Bürgerwindpark Hasenmoor, ENERCON

Wie ist der aktuelle Planungsstand?

Das Windvorranggebiet Hasenmoor-Struvenhütten wurde im Dezember 2020 von der Landesregierung nach einem umfangreichen und langjährigen Beteiligungsverfahren unter der Nummer PR3_SEG_323 ausgewiesen. Somit besteht nun Planungssicherheit für Investoren, Gemeinden und Bürger. Naturwind hat sämtliche Untersuchungen, u.a. zu den möglichen Umweltauswirkungen eines Windparks, abgeschlossen. Ergebnis der Untersuchungen: Es gibt keine relevanten Fakten, die gegen den Bau von Windrädern in dem Gebiet sprechen. Naturwind wird daher Anfang 2021 einen Genehmigungsantrag beim zuständigen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume stellen.

Im Windpark Hasenmoor-Struvenhütten sind sechs Windenergieanlagen der 4 bzw. 5 MW-Klasse geplant. Ein einzelnes Windrad kann so rund 4.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen. Die Windräder werden je nach Anlagentyp eine Gesamthöhe von 150 Metern (E 138) bzw. 200 Metern (E 147) haben. Sie sollen entlang der Autobahn A 20 stehen, deren Weiterbau von Bad Segeberg in Richtung Westen derzeit stockt. Drei Windräder sind auf Gebiet der Gemeinde Hasenmoor, drei auf Struvenhüttener Gemeindegebiet geplant.

Wer steht hinter dem Bürgerwindpark Hasenmoor-Struvenhütten?

Landeigentümer im geplanten Windvorranggebiet und Interessierte haben die Bürgerwindpark Hasenmoor GmbH & Co. KG gegründet. Für Struvenhütten soll bei Interesse eine zweite Bürgerenergiegesellschaft gegründet werden. Anwohner des Windparks können Gesellschafter werden. Ziel des Bürgerwindparks Hasenmoor-Struvenhütten ist, dass die Menschen vor Ort sich aktiv an der Investition in die Windenergieerzeugung beteiligen können. Sie erhalten dadurch Mitsprachemöglichkeiten und die Option, mit einer nachhaltigen Geldanlage in den Bürgerwindpark attraktive Renditen zu erzielen. Weitere Informationen zur finanziellen Beteiligung an dem Windpark werden im Laufe des Genehmigungsverfahrens, wenn Kosten und Restriktionen feststehen,  u.a. auf dieser Seite veröffentlicht. Eine abschließende Wirtschaftlichkeitsberechnung ist erst nach Zuschlagserteilung durch die Bundesnetzagentur möglich. Erst dann müssen sich Interessenten final entscheiden.

Welche direkten Vorteile haben Anwohner und Gemeinden?

Neben der finanziellen Beteiligungsmöglichkeit am Windpark Hasenmoor-Struvenhütten werden die Betreiber einen Strombonus für Anwohner anbieten. Konkret: Wer im 1.000 Meter-Umkreis um ein Windrad wohnt, erhält eine Strompreisermäßigung, gestaffelt nach der Nähe zum Windpark:

  • 450 Euro pro Jahr und Haushalt bei weniger als 600 Meter Abstand
  • 300 Euro pro Jahr und Haushalt im 600 bis 800 Meter-Umkreis
  • 150 Euro pro Jahr und Haushalt im 800 bis 1.000 Meter-Umkreis


Dafür wird es einen eigens angebotenen Stromtarif geben, dessen Preise nicht über den üblichen Strompreisen vor Ort liegen werden.

Darüber hinaus können die Gemeinden Struvenhütten und Hasenmoor Vergütungen für die Bereitstellung von Wegen und Kabeltrassen erhalten. Entsprechende Verträge, die dazu abgeschlossen werden müssten, liegen den Gemeindevertretungen vor. Die Gemeinde Struvenhütten könnte zudem durch Flächen im Windpark direkt an der Vergütung der Windenergieanlagen beteiligt werden. Auch hierzu wurde der Gemeinde ein Angebot vorgelegt. Ferner soll im Zuge des Windparkbaus der Kattendorfer Damm ausgebaut werden, sodass die Gemeinde Struvenhütten eigene finanzielle Mittel für den Ausbau dieses Weges einsparen würde. Welche Teilhabemöglichkeiten es für beide Gemeinden gibt, können Sie unter „Unterlagen“ genau nachlesen.

Weitere Einnahmen werden die Gemeinden aus der Gewerbesteuer erhalten. Die Gewerbesteuer fällt bei vor Ort angemeldeten Bürgerwindanlagen zu 100 Prozent im Ort an. Zudem hat die von ENERCON initiierte Betreibergesellschaft eine Vereinbarung mit ihrem zuständigen Finanzamt, dass ca. 99 Prozent der Gewerbesteuer in der Standortgemeinde eines Windparks gezahlt wird, normal wären dies laut gesetzlicher Regelung aktuell nur 70 Prozent für die Standortgemeinde, künftig sollen es 90 Prozent sein. Die regionale Wertschöpfung wird gestärkt, weil Gewinne aus dem Windpark in der Region bleiben. 

Am 1. Januar 2021 trat zudem die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2021) in Kraft, das weitere finanzielle Teilhabemöglichkeiten für Gemeinden eröffnet. So können jährlich bis zu 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde Strom an betroffene Gemeinden ausgezahlt werden. 

Standort

Das Windvorranggebiet Hasenmoor-Struvenhütten liegt östlich von Bad Bramstedt und südlich der B 206 in den Gemeinden Hasenmoor und Struvenhütten. Die Anlagen sollen entlang der künftigen Autobahn A 20 gebaut werden. 

Porträt Janna Jeska

Fragen & Antworten

Windenergieanlagen beeinträchtigen das Landschaftsbild. Sie werden zwar nur auf maximal ein bis zwei Prozent der Fläche in Deutschland gebaut, haben also einen geringen Flächenbedarf, sind aber weithin sichtbar. Ob eine Landschaft mit Windrädern als schön empfunden wird oder nicht, ist eine Frage des Geschmacks und auch des Gewöhnens. Der Mensch verändert seit Generationen die Landschaft. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine neue Landschaftsästhetik. Für junge Menschen ist der Anblick bereits völlig normal. Zudem ist heute bei modernen Windenergieanlagen durch geringere Rotor-Drehzahlen die optische Wirkung  von Windrädern geringer. 

Der Gesetzgeber hat Grenzwerte für Lärm - bei Tag und bei Nacht - festgelegt, die eingehalten werden müssen. Tagsüber wird das Rauschen der Rotoren überwiegend durch andere Alltagsgeräusche, wie Straßenlärm und das Rauschen von Bäumen und Büschen im Wind, überlagert. Nachts sind die Lärmgrenzwerte noch strenger als tagsüber. Können diese nicht eingehalten werden, werden Windräder nachts abgeschaltet. Moderne Windenergieanlagen sind aber längst nicht mehr so laut wie ihre Vorgänger aus den Pionierzeiten der Windenergie.  

Viele Quellen, denen wir täglich ausgesetzt sind, verursachen tiefen Schall und Infraschall, z.B. Industrieanlagen, Straßenverkehr und Haushaltsgeräte. Selbst das Rauschen des Windes an Büschen und Bäumen verursacht Infraschall. Die Auswirkungen von Infraschall aus Windenergieanlagen wurden in Deutschland vielfach untersucht, u.a. von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Ergebnis: Die Infraschallpegel liegen bereits in wenigen hundert Metern Entfernung zum Windrad deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle. Gesundheitliche Auswirkungen sind daher nicht zu erwarten und auch wissenschaftlich nicht begründet oder belegt.

Der Gesetzgeber hat vorgeschrieben, dass die theoretisch maximal mögliche Schattenwurfdauer auf ein Wohnhaus 30 Minuten am Tag und 30 Stunden im Jahr nicht überschreiten darf. Für die Windenergieanlagen wird dann eine Abschaltvorrichtung vorgesehen. Dazu werden Sensoren, die die Strahlung und die Beleuchtungsstärke messen, verwendet und die Windenergieanlagen sowie sämtliche betroffenen Wohnhäuser genau eingemessen. Wird eine solche Abschaltautomatik eingesetzt, die meteorologische Parameter wie Bewölkung berücksichtigt, ist die tatsächliche Beschattungsdauer auf acht Stunden pro Jahr zu begrenzen.

Ein solcher Zusammenhang konnte in diversen Untersuchungen nie nachgewiesen werden. Allenfalls sind vorübergehende Marktirritationen beobachtet worden, insbesondere durch entsprechende Prophezeiungen. Manche nutzen dieses Argument auch, um Kaufpreise gezielt zu drücken. Langfristig sind andere Faktoren für Immobilienpreise entscheidend, nämlich Infrastruktur, Angebot und Nachfrage etc.

Es gibt viele Gefahren für Tiere. Windräder spielen dabei nur eine geringe Rolle. Hauptursache für das Artensterben ist, dass viele Tiere durch Industrialisierung und Urbanisierung und auch durch den Klimawandel ihre Lebensräume verlieren. Letztlich ist es unser Wohlstand, der dafür verantwortlich ist. Die Windenergiebranche tut viel, um Windräder naturverträglich zu errichten und Lebensräume zu erhalten. Windräder sind nicht die Ursache für ein vermehrtes Artensterben. Ein Beispiel: Schätzungen gehen von 150.000 toten Vögeln an deutschen Windrädern pro Jahr aus, so genannte Schlagopfer. Zum Vergleich: Durch Straßen- und Bahnverkehr sterben in Deutschland jährlich ca. 70 Mio. Vögel, durch Hauskatzen 20 bis 100 Mio., und an Glasscheiben verenden jedes Jahr mindestens 100 Mio. Vögel. Wildtiere am Boden werden kaum durch Windenergieanlagen beeinflusst bzw. gewöhnen sie sich sehr schnell an die veränderte Umgebung.

In Deutschland müssen Windräder spätestens ab 2023 mit einer bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung ausgerüstet sein. Das heißt, die Windräder blinken nachts nicht mehr dauerhaft, sondern nur dann, wenn sich ein Flugzeug nähert. Die so genannte Hindernisbefeuerung wird dadurch nachts zu mehr als 90 Prozent aus sein.

Brände von Windenergieanlagen sind selten. Es wird viel getan, um solche Vorfälle zu verhindern. Es gibt Temperatur- und Drucküberwachungen, Brand- und Rauchmeldesysteme, Lösch- und Blitzschutzeinrichtungen. Für jedes Windrad wird ein Brandschutzkonzept erstellt. Das Auslaufen von Betriebsflüssigkeiten wird durch moderne Messtechnik ebenfalls frühzeitig erkannt. Auffangvorrichtungen verhindern das Auslaufen von Betriebsflüssigkeiten. 

Unter den erneuerbaren Energien ist der Flächenbedarf für die Windenergie vergleichsweise moderat. Pro Windrad werden im Windpark Hasenmoor-Struvenhütten rund 3.000 Quadratmeter für Fundamente, Kranstellflächen und Wege benötigt, für die geplanten sechs Anlagen zusammen rund 1,8 Hektar. Das entspricht etwa vier Prozent der Fläche des gesamten Windeignungsgebietes.

Windenergie wird nicht mit Steuergeldern subventioniert. Die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien werden über die EEG-Umlage transparent auf jeder Stromrechnung ausgewiesen. Der Stromkunde zahlt abhängig vom Verbrauch für den Ausbau der Erneuerbaren. Im Gegensatz dazu wird Kohle- und Atomstrom seit Jahrzehnten mit Steuermitteln subventioniert. Zu den staatlichen Finanzhilfen und Steuervergünstigungen kommen Zusatzkosten für Umwelt- und Klimaschäden. Diese versteckten Kosten sind höher als die EEG-Umlage. 

Um künftig - nach dem Ausstieg aus der Kohleverstromung und der Atomenergie - teure Stromimporte zu vermeiden, müssen die Erneuerbaren jetzt ausgebaut werden. Zumal der Stromverbrauch in Deutschland weiter steigen wird, weil künftig mehr Strom zum Heizen und im Verkehrssektor benötigt wird. Ein optimiertes und leistungsfähiges Stromnetz sowie mehr Speichermöglichkeiten werden Stromangebot und
-nachfrage künftig besser aufeinander abstimmen.
So wird es künftig auch weniger Abschaltungen geben. Zwischen 2015 und 2019 wurden in ganz Schleswig-Holstein elf Prozent der erneuerbaren Stromerzeugung abgeregelt, hauptsächlich in Nordfriesland und Dithmarschen. Die wesentlichen Netzengpässe werden mit der Fertigstellung der Westküstenleitung bis 2023 und der Fertigstellung der Mittelachse einschließlich des Umspannwerkes Handewitt im Herbst 2020 behoben sein. 

Eine Windenergieanlage erwirtschaftet während ihrer Lebenszeit ein Vielfaches der Energie, die für Herstellung Betrieb aufgewendet wurde. Im Schnitt liegt der Kohlendioxid-Ausstoß der Windenergie in Deutschland bei 25 Gramm pro produzierter Kilowattstunde. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Braunkohlekraftwerk emittiert etwa 1.000 Gramm CO2 je Kilowattstunde, Solarstrom etwa 50 Gramm.

regionale teilhabe für anwohner

Sie sind Anwohner des künftigen Windparks und haben Interesse am Bürgerwindpark Hasenmoor-Struvenhütten? Dann schreiben Sie uns! Wir merken Sie als Interessent vor und werden Sie über den weiteren Verlauf informieren.

Mit der Beteiligung am Bürgerwindpark können Einwohner die Energiewende vor Ort unterstützen, zu einer ökologischen Zukunft beitragen und gleichzeitig attraktive Renditen erzielen.

Janna Jeske, Projektleiterin

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