mecklenburg-vorpommern

windpark grabow-below

Im aktuell dritten Entwurf für die Teilfortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogrammes Mecklenburgische Seenplatte weist der Planungsverband ein knapp 150 Hektar großes Areal als potenzielles Windeignungsgebiet südlich der Ortschaft Grabow (Gemeinde Eldetal) aus. In diesem Gebiet plant naturwind bis zu 13 Windenergieanlagen der 5-MW-Klasse. Damit könnten rund 50.000 Haushalte mit grünem Strom aus Windenergie versorgt werden. Die Gemeinde Eldetal soll vom Betrieb des Windparks finanziell profitieren. 

NW_Icon_Baustatus

Projektstatus

Genehmigungsplanung

Anlagentyp

11 Vestas V 150
2 Enercon E 160

Leistung

73 MW

Planungsstand und nächste Schritte

naturwind hat wesentliche Flächen im Windpark über Pachtverträge gesichert und bereits eine Reihe von Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit von Windenergieanlagen in dem Gebiet beauftragt und teilweise bereits abgeschlossen. Wenn alle Untersuchungen beendet sind, wird voraussichtlich noch 2021 ein Genehmigungsantrag gestellt. Für 2021 wird auch der vierte Entwurf für die Teilfortschreibung des Raumentwicklungsprogrammes erwartet. 

Im Zuge des Genehmigungsverfahrens können die sogenannten Träger öffentlicher Belange dann Stellung zu dem Vorhaben beziehen. Das sind Natur- und Denkmalschutzbehörden, die Deutsche Flugsicherung und weitere. Auch Einwohner können sich im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung zum Projekt äußern. Einwendungen werden erörtert und abgewogen. Erst dann entscheidet die Genehmigungsbehörde abschließend über das Projekt. Die Gemeinde Eldetal wird laufend über den Projektstand informiert. 

Was konkret geplant ist

Südlich der Ortschaft Grabow entlang der Autobahn A 19 bis zur Landesgrenze nach Brandenburg plant naturwind derzeit, bis zu 13 Windenergieanlagen zu errichten. Windkraftanlagen an Autobahnen bieten die Möglichkeit, Gebiete für die Windenergieerzeugung zu nutzen, in denen bereits Eingriffe in die Natur vorgenommen wurden und so andere Naturräume zu schonen. 

Mit 5,5 bzw. 5,6 MW Leistung je Windrad zählen die in Grabow-Below geplanten Anlagentypen zu den leistungsstärksten im Binnenland. Bis zu 50.000 Haushalte könnten so mit grünem Strom versorgt und etwa 70.000 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid eingespart werden. Die geplanten Anlagen haben eine Gesamthöhe von 241 bzw. 246 Metern. Jede Windenergieanlage wird mind. 1.000 Meter von Wohngebieten entfernt sein. Dies entspricht den heute allgemein anerkannten Abstandsregeln. Die maximalen Schallbelastungen werden eingehalten. 

Was hat die Gemeinde Eldetal davon?

naturwind ist es wichtig, dass Gemeinden, in denen Windenergie erzeugt wird, angemessen davon profitieren. Die finanzielle Teilhabe von Gemeinden an der Windenergieerzeugung ist heute gesetzlich geregelt. Darüber hinaus gibt es weitere Beteiligungsmöglichkeiten für die Kommune.  
 
  • Die Gemeinde Eldetal besitzt Flächen im künftig geplanten Windeignungsgebiet. Auf diesen können nach jetzigem Stand bis zu zwei Windräder errichtet werden, sodass die Gemeinde jährliche Pachteinnahmen erhalten würde. Entsprechende Nutzungsverträge hat naturwind den Gemeindevertretern bereits vorgestellt. 
  • Die gesetzlich vorgeschriebenen Beteiligungsmöglichkeiten werden gerade geändert. In Mecklenburg-Vorpommern ist Teilhabe an der Windenergie seit 2016 über das Bürger- und Gemeindebeteiligungsgesetz geregelt. Dieses sieht eine direkte gesellschaftsrechtliche Beteiligung, also den Kauf von Gesellschafteranteilen durch Gemeinden und Einwohner, oder alternativ dazu eine Ausgleichsabgabe für Gemeinden und ein Sparprodukt für Anwohner vor. Im Dezember 2020 hat die Bundesregierung die Möglichkeit einer bundesweit einheitlichen Beteiligungsmöglichkeit geschaffen. Das neue EEG soll nun eine finanzielle Teilhabe von betroffenen Kommunen von bis zu 0,2 Cent je eingespeister Kilowattstunde Strom ermöglichen. Dies sind nach aktuellen Ertragsprognosen jährlich ca. 25.000 Euro pro Windrad für Kommunen im 2,5 Kilometer-Radius. Dazu gehören die Gemeinde Eldetal sowie die Stadt Wittstock-Dosse. Wie die Landesregelung und das EEG korrespondieren, muss derzeit noch geklärt werden.
  • Neben finanziellen Vorteilen ist es das Ziel von naturwind, dass Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vor Ort und im Sinne der Gemeinde stattfinden. „Wir wollen dazu ein gemeinsames Konzept erarbeiten“, sagt naturwind-Projektleiter Kim Müller. Die Gemeinde soll möglichst mitbestimmen - in Absprache mit den zuständigen Behörden - welche Maßnahmen umgesetzt werden. Auch Anwohner sind aufgefordert, Vorschläge für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zu machen.

Standort

Das Windeignungsgebiet Grabow-Below liegt südlich der Müritz in der Gemeinde Eldetal. Es erstreckt sich vom Ort Grabow südlich entlang der Autobahn A 19 bis zur Landesgrenze nach Brandenburg. 

Porträt Kim Müller

Fragen & Antworten

Der Gesetzgeber hat Grenzwerte für Lärm - bei Tag und bei Nacht - festgelegt, die eingehalten werden müssen. Tagsüber wird das Rauschen der Rotoren überwiegend durch andere Alltagsgeräusche, wie Straßenlärm und das Rauschen von Bäumen und Büschen im Wind, überlagert. Nachts sind die Lärmgrenzwerte noch strenger als tagsüber. Können diese nicht eingehalten werden, werden Windräder nachts abgeschaltet. Moderne Windenergieanlagen sind aber längst nicht mehr so laut wie ihre Vorgänger aus den Pionierzeiten der Windenergie.  

Viele Quellen, denen wir täglich ausgesetzt sind, verursachen tiefen Schall und Infraschall, z.B. Industrieanlagen, Straßenverkehr und Haushaltsgeräte. Selbst das Rauschen des Windes an Büschen und Bäumen verursacht Infraschall. Die Auswirkungen von Infraschall aus Windenergieanlagen wurden in Deutschland vielfach untersucht, u.a. von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. Ergebnis: Die Infraschallpegel liegen bereits in wenigen hundert Metern Entfernung zum Windrad deutlich unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle. Gesundheitliche Auswirkungen sind daher nicht zu erwarten und auch wissenschaftlich nicht begründet oder belegt.

Ein solcher Zusammenhang konnte in diversen Untersuchungen nie nachgewiesen werden. Allenfalls sind vorübergehende Marktirritationen beobachtet worden, insbesondere durch entsprechende Prophezeiungen. Manche nutzen dieses Argument auch, um Kaufpreise gezielt zu drücken. Langfristig sind andere Faktoren für Immobilienpreise entscheidend, nämlich Infrastruktur, Angebot und Nachfrage etc.

Es gibt viele Gefahren für Tiere. Windräder spielen dabei nur eine geringe Rolle. Hauptursache für das Artensterben ist, dass viele Tiere durch Industrialisierung und Urbanisierung und auch durch den Klimawandel ihre Lebensräume verlieren. Letztlich ist es unser Wohlstand, der dafür verantwortlich ist. Die Windenergiebranche tut viel, um Windräder naturverträglich zu errichten und Lebensräume zu erhalten. Windräder sind nicht die Ursache für ein vermehrtes Artensterben. Ein Beispiel: Schätzungen gehen von 150.000 toten Vögeln an deutschen Windrädern pro Jahr aus, so genannte Schlagopfer. Zum Vergleich: Durch Straßen- und Bahnverkehr sterben in Deutschland jährlich ca. 70 Mio. Vögel, durch Hauskatzen 20 bis 100 Mio., und an Glasscheiben verenden jedes Jahr mindestens 100 Mio. Vögel. Wildtiere am Boden werden kaum durch Windenergieanlagen beeinflusst bzw. gewöhnen sie sich sehr schnell an die veränderte Umgebung.

Brände von Windenergieanlagen sind selten. Es wird viel getan, um solche Vorfälle zu verhindern. Es gibt Temperatur- und Drucküberwachungen, Brand- und Rauchmeldesysteme, Lösch- und Blitzschutzeinrichtungen. Für jedes Windrad wird ein Brandschutzkonzept erstellt. Das Auslaufen von Betriebsflüssigkeiten wird durch moderne Messtechnik ebenfalls frühzeitig erkannt. Auffangvorrichtungen verhindern das Auslaufen von Betriebsflüssigkeiten. 

Windenergie wird nicht mit Steuergeldern subventioniert. Die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien werden über die EEG-Umlage transparent auf jeder Stromrechnung ausgewiesen. Der Stromkunde zahlt abhängig vom Verbrauch für den Ausbau der Erneuerbaren. Im Gegensatz dazu wird Kohle- und Atomstrom seit Jahrzehnten mit Steuermitteln subventioniert. Zu den staatlichen Finanzhilfen und Steuervergünstigungen kommen Zusatzkosten für Umwelt- und Klimaschäden. Diese versteckten Kosten sind höher als die EEG-Umlage. 

Um künftig - nach dem Ausstieg aus der Kohleverstromung und der Atomenergie - teure Stromimporte zu vermeiden, müssen die Erneuerbaren jetzt ausgebaut werden. Zumal der Stromverbrauch in Deutschland weiter steigen wird, weil künftig mehr Strom zum Heizen und im Verkehrssektor benötigt wird. Ein optimiertes und leistungsfähiges Stromnetz sowie mehr Speichermöglichkeiten werden Stromangebot und
-nachfrage künftig besser aufeinander abstimmen.
So wird es künftig auch weniger Abschaltungen geben. 

Eine Windenergieanlage erwirtschaftet während ihrer Lebenszeit ein Vielfaches der Energie, die für Herstellung Betrieb aufgewendet wurde. Im Schnitt liegt der Kohlendioxid-Ausstoß der Windenergie in Deutschland bei 25 Gramm pro produzierter Kilowattstunde. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Braunkohlekraftwerk emittiert etwa 1.000 Gramm CO2 je Kilowattstunde, Solarstrom etwa 50 Gramm.

Weitere informationen

Nächtliches Dauerblinken im Windpark wird abgeschaltet

Windräder dürfen noch bis Ende 2022 nachts blinken. Dann müssen Windparks mit einer bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung ausgestattet sein - auch der Windpark Grabow-Below. Das heißt, Windräder blinken nur noch dann, wenn sich ein Flugzeug nähert. Durch den Einsatz von Radaranlagen und Transpondern soll dies ermöglicht werden. Experten gehen davon aus, dass die nächtliche Befeuerung dann zu rund 90 Prozent ausgeschaltet sein wird. Die Nachtkennzeichnung dient dazu, dass Flugzeuge Windenergieanlagen, die höher als 100 Meter sind, als Hindernisse erkennen. 

 

Die Frist zur Ausstattung von Windenergieanlagen mit einer bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung wurde im Herbst 2020 zum zweiten Mal verlängert. Mitte 2021 sollte eigentlich bereits Schluss sein. Die Technik für die Ausstattung von Windparks mit der bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung ist inzwischen zwar vorhanden, allerdings geht die Bundesnetzagentur davon aus, dass die zugelassenen Hersteller es nicht schaffen, bis Mitte 2021 alle Neu- und Bestands-Windparks in Deutschland mit der Technik auszurüsten, und haben daher die Frist noch einmal verlängert. 

Nahaufnahme Kopf eines Rotmilans.

sie haben vorschläge für ausgleichs- und ersatzmaßnahmen?

Dann treten Sie mit uns in Kontakt. Wir sammeln Ihre Vorschläge. Wir können nichts versprechen, aber wir werden jeden Vorschlag prüfen. Welche Maßnahmen umgesetzt werden, besprechen wir mit der Gemeinde und den zuständigen Behörden.

Gefragt sind Ideen für örtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Wir wollen dass Gemeinde und Einwohner von einem Windpark in Grabow-Below profitieren.

Bernd Jeske, naturwind-Geschäftsführer

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